Wasa St. Gallen war im NLB-Final für Aergera zu gut. Statt sich lange zu grämen, wurden unter anderem Trainer Richard Kaeser und Stürmerin Lea Bertolotti, die Giffers verlassen, gefeiert.
Frank Stettler, FN
«Es hat einfach nicht gereicht. Wir sind auf einen Gegner gestossen, der in allen Belangen ein Quäntchen besser war», sagt Trainer Richard Kaeser am Tag nach der – trotz toller Aufholjagd – resultierenden 3:4-Niederlage bei Wasa St. Gallen. Damit verlor Aergera Giffers die Best-of-5-Serie des Playoff-Finals der NLB mit 0:3. «Wir waren gut, teilweise sogar richtig gut. Ich bin stolz darauf, dass wir im Final unser bestes Unihockey abrufen konnten. Wir haben ein gutes, kontrolliertes Unihockey gespielt. Deshalb ist diese Niederlage einfacher zu verkraften.»
Für Kaeser war es die letzte auf der Bank von Aergera. Bereits im Januar hatte er kommuniziert, dass es nach fünf Jahren die letzte Saison sein wird. Trotz des verlorenen Playoff-Finals ist es für Kaeser ein versöhnlicher Abschluss. «Verlieren darf man immer, die Frage ist aber, wie. Die Art und Weise macht mich stolz. Es stimmt für mich so.» Er habe sich Anfang Dezember, als er den Entscheid getroffen habe, fast schlimmer gefühlt als nach der Schlusssirene am Donnerstagabend in St. Gallen. «Die letzten Tage habe ich mir dann eingeredet, dass es mein gut überdachter und richtiger Entschluss war.» Natürlich sei die Enttäuschung im Team unmittelbar nach der Niederlage gegen Wasa gross gewesen, dann aber schnell in den Hintergrund gerückt. «Das Team hat schnell realisiert, dass der Gegner gut war, und hat es akzeptieren können. Wir nahmen uns in die Arme, haben einander gratuliert und merci gesagt», erklärt Kaeser.
Schwierige Trainersuche
Sofort seien alte Geschichten ausgetauscht worden, was schön gewesen sei. «Wir haben so viel zusammen erlebt, dementsprechend emotional war es.» Sie hätten fast mehr gefeiert als das siegreiche Team. «Wir gingen mit den Letzten aus der Halle. Es waren so schöne Momente, auch mit dem gegnerischen Trainer, mit dem wir ein Bier getrunken haben. Er meinte spasseshalber: «Hey, wir haben gewonnen, nicht ihr.» Nun sei er froh, wie angekündigt ein Jahr zu pausieren, führte Kaeser weiter aus. «Normalerweise folgt schon am nächsten Tag nach dem Saisonende die Analyse und alles wird hinterfragt.» Natürlich würde er auch dieses Mal noch Gruppengespräche führen – einfach entspannter. Die Planung der Saison 2026/2027 fällt in andere Hände. In jene von Aergera-Präsident Roger Hofmeier zum Beispiel. Herausfordernd entpuppte sich für den Vorstand die Nachfolgeregelung des scheidenden Trainers. «Die Suche hat sich schwieriger herausgestellt, als vermutet. Der Trainermarkt ist sehr trocken», erklärt Hofmeier. Man habe viele Gespräche mit Kandidaten geführt, die dann aus familiären oder beruflichen Gründen doch nicht zusagten. Diese Tage habe es indessen aber sehr positive Diskussionen mit einem Kandidaten gegeben. «Über das Wochenende werden die letzten Details geklärt. Ich gehe davon aus, dass wir nächste Woche den neuen Trainerstab haben. Es sieht gut aus.» Einen Namen nennt Hofmeier nicht, zuerst wolle er bei einem positiven Gesprächsabschluss das Team über den neuen Trainer informieren.
Gefeiert, als gäbe es kein Morgen
Die Kaderplanung läuft parallel zur Trainersuche seit Dezember. «Nach ersten Sondierungen zogen sich die Diskussionen mit den Spielerinnen bis jetzt durch. Stand heute kann ich sagen, dass ein grosser Teil des Teams bleibt», so Hofmeier. Schon jetzt steht aber fest, dass fünf Spielerinnen Aergera verlassen werden, darunter die langjährige Spielführerin Lea Bertolotti, die seit der Saison 2014/2015 für den Verein stürmte. Sie hört mit dem Unihockey ebenso auf wie Fabienne Aeschbacher und Francine Riedo. «Es war sehr emotional in St. Gallen. Wir konnten im letzten Drittel nochmals zeigen, was für ein unglaublich grossartiges Team wir sind», erklärt Bertolotti, die auf diese Saison hin ihr Captain-Band an Angela Kohler abgegeben hatte. Auch wenn es nicht reichte, hätten alle noch an den Sieg geglaubt. «Genau das hat mir all die Jahre so viel Freude bei Aergera bereitet.»
Nach 20 Jahren in der Nationalliga und zuletzt elf Jahren bei Aergera sei jetzt der Moment gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. «Ob die Aufstiege in die NLA, die NLB-Meistertitel oder auch die Abstiege: Der Zusammenhalt und die Unterstützung unserer Zuschauer und Ultras machten jedes Spiel zu einem Höhepunkt. Auch am Donnerstag haben wir zwar den Final verloren, aber gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr», lacht Bertolotti. Obwohl aus beruflichen Gründen auch Carole Bertschy und Livia Müller zumindest vorerst Aergera den Rücken kehren werden, sei das Team weiter in guten Händen, so die gebürtige Bernerin, die den Club auf keinen Fall verlassen werde. «Ich engagiere mich weiter bei Aergera. Ob im NLB-Staff oder weiterhin bei der U21 wird sich noch zeigen.»
Zwei bis drei Antworten von Spielerinnen würden noch ausstehen, erklärt Hofmeier währenddessen weiter. Zugleich wolle man auch den einen oder anderen Zuzug tätigen. Das aber nicht mit dem Ziel, einen Aufstieg in die Prime League zu forcieren. «Grundsätzlich haben wir nichts gegen eine Promotion, aber wir wollen es nicht auf Biegen und Brechen.» Auch in dieser Saison habe man deshalb keinen Aufstiegsverzicht beim Verband eingereicht. «Wenn es sich ergeben hätte, wären wir aufgestiegen. Es war aber nicht das Saisonziel», sagt Hofmeier.
Er würde sich extrem freuen, wenn es bei Aergera im Interesse aller Beteiligten weitergehen würde, sagt derweil Richard Kaeser. «Ich werde das Team weiterverfolgen und bin gespannt, wie sich die Spielerinnen entwickeln werden. Sicher ist, dass es als Zuschauer und Fan ein ganz anderes Unihockey zum Zuschauen ist.»
WASA St. Gallen - Aergera Giffers 4:3 (1:0, 2:0, 1:3)
Sporthalle Tal der Demut, St. Gallen. 274 Zuschauer. SR Wiederkehr/Zünd.
Tore: 16. P. Magyar (M. Judas) 1:0. 21. M. Wagner 2:0. 31. S. Brändli (B. Taipale) 3:0. 43. S. Buchegger (S. Brändli) 4:0. 51. F. Riedo (L. Jungo) 4:1. 51. F. Aeschbacher (L. Corpataux) 4:2. 55. L. Willener (M. Klopfenstein) 4:3.
Strafen: 2mal 2 Minuten gegen WASA St. Gallen. keine Strafen.