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16.03.2026Basel Regio - Aergera 5:6 n.V. (1:2, 1:0, 3:3)

Kraftakt mit Folgen: Aergera feiert Finaleinzug, steckt aber im Dilemma

Aergera Giffers hat sich für den Playoff-Final der NLB gegen Wasa St. Gallen qualifiziert. Das Duell gegen den ewigen Rivalen bringt die Senslerinnen allerdings in ein Dilemma 

Michel Spicher, Freiburger Nachrichten
 

Nach 231 Sekunden der Verlängerung erzielte Mona Jungo am Samstagabend für Aergera den erlösenden Treffer zum 6:5-Sieg. Die Playoff-Halbfinalserie gegen Regio Basel war gewonnen, der Finaleinzug perfekt. «Wir wussten, wenn wir das Tor schiessen, ist Basel draussen, wenn wir es kassiert hätten, wäre uns noch das Entscheidungsspiel geblieben», schwärmt Trainer Richard Kaeser auch noch zwei Tage nach dem Sieg. «Wir blieben in der Verlängerung mutig und suchten die Entscheidung. Wir wollten nicht darauf hoffen, dass Basel eventuell im Penaltyschiessen einen Fehler begeht.»

«Ganz nach meinem Geschmack»

Dem Treffer war ein Kraftakt von Fabienne Aeschbacher vorausgegangen, die den Gegner unter Druck setzte und sich in dessen Ecke den Ball eroberte. Ihr Zuspiel landete perfekt bei Mona Jungo, die mit einem Schuss aus dem Hinterhalt in die Maschen traf. «Es war ein Tor ganz nach meinem Geschmack», sagt Kaeser mit einem Lachen. «In den vergangenen zwei Jahren haben wir daran gearbeitet, dass sich mindestens eine Verteidigerin nach vorn orientiert, wenn wir den Ball haben. Genau das haben wir beim Siegtreffer perfekt umgesetzt.» Bereits letzte Woche in Spiel 3 war es mit Lea Jungo eine Verteidigerin gewesen, die mit dem Ball mutig vorgeprescht war und 39 Sekunden vor Ende der Partie für die Entscheidung gesorgt hatte.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir daran gearbeitet, dass sich mindestens eine Verteidigerin nach vorn orientiert, wenn wir den Ball haben.
Richard Kaeser

 

Achterbahn der Gefühle

Bis der 6:5-Sieg feststand, hatten die Giffersnerinnen allerdings eine Achterbahn der Gefühle zu erdulden. Dank Toren von Nadja Schüpbach und Jana Kolly starteten sie in Basel perfekt in die Partie. Doch 16 Sekunden vor der ersten Pause mussten sie den Anschlusstreffer hinnehmen. «So kurz vor der Pause einen zu kassieren, ist ärgerlich. Erst recht, wenn das Tor vermeidbar gewesen wäre», sagt Kaeser. Nach einem Freistoss zu seinen Gunsten brachte Aergera den Ball nur bis zur Mittellinie und zum Gegner. «Prompt wurden wir für unsere fehlende Abgebrühtheit bestraft.» Der Anschlusstreffer zum psychologisch günstigen Moment verlieh den Baslerinnen Aufwind, der Ausgleich in der 37. Minute war verdient.

Zu Beginn des dritten Abschnitts geriet Aergera erstmals in Rückstand, nun drohte wieder das Entscheidungsspiel. Doch mit einem Doppelschlag innerhalb von 16 Sekunden durch Elisa Biolley und Fabienne Aeschbacher (45.) drehte der Gast die Partie wieder. Und als in der 48. Minute Margaux Houriet gar noch das 3:5 erzielte, war der Jubel bei Aergera gross. «Da dachte ich, wir schaukeln das Ganze nach Hause», sagte Kaeser schmunzelnd. «In meiner Vorstellung hätten wir dem Angriff der Baslerinnen sieben, acht Minuten standgehalten und dann hätten sie ein Tor erzielen können. Die restlichen fünf Minuten hätten wir dann auch noch überstanden.» Doch es kam anders: Basel spielte seine ganze individuelle Klasse aus und benötigte nur zwei Minuten für den Anschlusstreffer. Und drei weitere Minuten später fiel der Ausgleich. «Der Anschlusstreffer ist zu früh gekommen», bilanziert der Trainer. «Aber Basel hat das sehr souverän gemacht. Es hatte einige wunderschöne Aktionen und der Ausgleich war verdient.»

Wiedersehen mit Wasa

Zweimal hatte Giffers einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt, dank Mona Jungo nahm der Abend wenig später doch noch ein erfreuliches Ende. Im Final trifft Aergera nun auf Wasa St. Gallen, das seinen Finaleinzug bereits vor einer Woche gegen Nesslau geschafft hat. In der Qualifikation hatten die beiden Teams gleich viele Punkte gesammelt und in den Direktbegegnungen je einmal gewonnen. «Es ist das dritte Mal in fünf Jahren, dass wir in einer entscheidenden Serie auf Wasa treffen», weiss Richard Kaeser. «Ihr Trainer ist schon länger dabei, so wie ich auch, wir kennen die St. Gallerinnen bestens und sie uns. Zwischen uns gibt es keine grossen Geheimnisse mehr.» Er werde sein Team ähnlich vorbereiten wie gegen Basel, verrät der Trainer. «Wasa ist sehr ballstark, wir werden wahrscheinlich wieder wenig im Ballbesitz sein. «Deshalb müssen wir erneut kollektiv gut verteidigen und versuchen, offensiv einige Nadelstiche zu setzen.»

Los geht die Finalserie (best of 5) bereits am kommenden Wochenende mit einer Doppelrunde. Es folgt ein Wochenspiel und allenfalls am Wochenende darauf nochmals eine Doppelrunde. Fünf Matches in acht Tagen – für Amateurinnen ein sehr happiges Programm. «Trainieren ist in dieser intensiven Zeit kaum mehr möglich», sagt Kaeser. «Etwas Videoanalyse, ein lockeres Torschusstraining, ansonsten benötigen die Spielerinnen die Zeit für die Erholung.»

Aergeras Dilemma

Das erklärte Ziel von Richard Kaeser und seinem Team ist der NLB-Meistertitel. «Wenn man es bis in den Final gebracht hat, dann will man ihn auch gewinnen», sagt der Headcoach. Natürlich – ist man versucht zu sagen. Doch bei Aergera ist die Situation etwas komplizierter. Wenn die Senslerinnen den Final gewinnen, qualifizieren sie sich für die Promotionsspiele zur NLA. In die höchste Liga aufsteigen möchten sie allerdings nicht. Einen Aufstiegsverzicht hat Giffers nicht eingereicht. Wenn es nicht zum Duell mit dem NLA-Vertreter antritt, muss es eine Busse bezahlen. In den Aufstiegsspielen absichtlich zu verlieren, ist auch keine verlockende Option. «Das Problem müssen wir noch lösen», sagt Richard Kaeser. «Aber zuerst müssen wir dafür sorgen, dass es überhaupt zum Problem wird.»

Telegramm
Basel Regio - Aergera 5:6 n.V. (1:2, 1:0, 3:3)
Pfaffenholz, Basel. - 205 Zuschauer. Tore: 9. Schüpbach (Bertolotti) 0:1. 18. Ja. Kolly (Ulrich) 0:2. 20. Brönnimann (Kissling) 1:2. 37. Falconnier (Yildiz) 2:2. 43. Gerber 3:2. 45. Biolley (Corpataux) 3:3. 45. Aeschbacher (Houriet) 3:4. 48. Houriet (Aeschbacher) 3:5. 50. Yildiz (Saastamoinen) 4:5. 53. Aerni (Hofer) 5:5. 64. M. Jungo (Aeschbacher) 5:6. Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Basel, keine gegen Aergera.
Aergera Giffers: Schaad; Kohler, M. Jungo; Aeschbacher, Bertolotti, Houriet; Aeby, Vuagniaux; F. Riedo, Stegmaier, Müller; Urich, L. Jungo; Schüpbach, Willener, Ja. Kolly; Götz, Ju. Kolly; Biolley, Corpataux, Klopfenstein.

Playoff-Halbfinal (best of 5). Schlussstand: 1:3.